3. April 2026

Am 1. April 2026 hat ein Klaeger unter dem Pseudonym "John Doe" eine Sammelklage gegen Perplexity AI, Google und Meta beim US-Bezirksgericht fuer den noerdlichen Bezirk von Kalifornien eingereicht (Az. 3:26-cv-02803). Die 135-seitige Klageschrift mit 14 Klagepunkten beschreibt ein systematisches Datenschutzversagen: Perplexitys AI-Suchmaschine leitet laut Klage vollstaendige Chat-Verlaeufe ueber eingebettete Tracking-Tools an Google und Meta weiter -- ohne Einwilligung der Nutzer und ohne jede Offenlegung.

Was genau weitergegeben wird

Die Klageschrift listet konkret auf, welche Daten ueber die eingebetteten Tracker abfliessen:

Laut Klage ermoeglicht diese Kombination Google und Meta, die Daten mit Namen und Adressen der Nutzer zu verknuepfen und fuer gezielte Werbung sowie den Weiterverkauf an Dritte zu nutzen. Ein zentraler Vorwurf: Die Daten fliessen teilweise schon an Google und Meta, bevor Perplexity selbst sie verarbeitet hat.

Das Incognito-Problem

Besonders brisant ist der Vorwurf zum Incognito-Modus. Perplexity bewirbt diesen als Funktion, die "anonyme Threads" erzeugt, die "nicht im Verlauf gespeichert werden und nach 24 Stunden ablaufen". Die Klage dokumentiert jedoch, dass die Tracking-Tools auch im Incognito-Modus aktiv bleiben und Daten an Google und Meta uebermitteln. Der Modus schuetzt also bestenfalls vor der eigenen Verlaufsanzeige, nicht aber vor der Weitergabe an Dritte. Das ist ein klassischer Fall von Privacy-Theater: eine Funktion, die Privatsphaere suggeriert, ohne sie tatsaechlich zu liefern.

Warum das ein Problem ist

Nutzer teilen mit AI-Suchmaschinen Informationen, die sie keiner normalen Suchmaschine anvertrauen wuerden. Das Gespraechsformat laedt zu ausfuehrlichen, persoenlichen Anfragen ein. Der Klaeger selbst nutzte Perplexity fuer Fragen zu Sozialversicherungsanspruechen, der Umwandlung von Sparkonten in Roth IRAs und moeglichen Investitionen in Cannabis-Unternehmen. Die Klageschrift betont, dass Nutzer regelmaessig steuerliche, rechtliche, finanzielle, politische und gesundheitliche Informationen in ihren Chats preisgeben -- in der Erwartung, dass diese privat bleiben.

Rechtliche Grundlagen

Die 14 Klagepunkte stuetzen sich auf mehrere Gesetze:

Die Klage definiert zwei Klassen: eine landesweite Klasse aller Perplexity-Nutzer (ohne zahlende Pro- und Max-Abonnenten) zwischen dem 7. Dezember 2022 und dem 4. Februar 2026 sowie eine kalifornische Unterklasse.

Perplexitys Reaktion

Perplexitys Kommunikationschef Jesse Dwyer erklaerte, dem Unternehmen sei keine Klage zugestellt worden, die dieser Beschreibung entspreche. Man koenne daher weder die Existenz noch die Behauptungen verifizieren. Meta und Google haben sich bisher nicht geaeussert.

Kontext: Perplexity und der Browser-Markt

Die Klage faellt in eine Phase, in der Perplexity sich aggressiv als Gegengewicht zu Googles Marktmacht positioniert. Das Unternehmen hat im August 2025 ein 34,5-Milliarden-Dollar-Angebot fuer Googles Chrome-Browser abgegeben und mit Comet einen eigenen Browser lanciert. Die Kernbotschaft war: Wir sind die datenschutzfreundliche Alternative. Wenn sich die Vorwuerfe der Klage bestaetigen, wird diese Erzaehlung schwer zu halten sein. Ein Unternehmen, das Chrome kaufen will, um den Suchmarkt aufzubrechen, aber gleichzeitig Nutzerdaten heimlich an genau die Konzerne weiterleitet, die es angeblich herausfordern moechte -- das ist ein Glaubwuerdigkeitsproblem.

Quellen

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