2. April 2026

Im August 2025 hat Perplexity AI ein unaufgefordertes Uebernahme-Angebot von 34,5 Milliarden Dollar fuer Googles Chrome-Browser vorgelegt. CEO Aravind Srinivas richtete das Angebot direkt an Sundar Pichai. Der Betrag lag fast doppelt so hoch wie Perplexitys eigene Bewertung von damals 18 Milliarden Dollar. Mehrere Investoren hatten sich bereit erklaert, den Deal zu finanzieren.

Hintergrund: Das Kartellverfahren

Das Angebot fiel in eine Phase maximalen regulatorischen Drucks auf Google. Das US-Justizministerium (DOJ) hatte zuvor erfolgreich nachgewiesen, dass Google den Suchmaschinenmarkt illegal monopolisiert. In den Verhandlungen ueber moegliche Auflagen forderte das DOJ den Zwangsverkauf von Chrome als zentrales Strukturmittel. Richter Amit Mehta entschied im September 2025 allerdings, dass die Klaeger "ueberreizt" haetten -- ein Zwangsverkauf von Chrome sei nicht notwendig. Stattdessen verbot er Google exklusive Vertriebsvertraege fuer Chrome und Search und verpflichtete den Konzern, Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen.

Im Februar 2026 legten das DOJ und 35 US-Bundesstaaten unter Fuehrung von Colorado eine Gegenberufung ein, die haertere Massnahmen einschliesslich eines Chrome-Verkaufs fordert. Google hat seinerseits ebenfalls Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht (D.C. Circuit) wird beide Seiten anhoeren; eine Entscheidung wird innerhalb von 12 bis 18 Monaten erwartet.

Strategie statt Kaufabsicht

Perplexity selbst hat nie ernsthaft damit gerechnet, dass der Deal zustande kommt. Kommunikationschef Jesse Dwyer raeumte im Januar 2026 gegenueber Semafor ein: "Wir mussten diese Konditionen oeffentlich machen, bevor der Richter entschied. Wir haben nicht erwartet, dass sie Chrome verkaufen."

Das Kalkuel war ein anderes: Perplexity hatte mit Comet einen eigenen AI-Browser auf Chromium-Basis lanciert und fuerchtete, dass ein anderer Kaeufer -- etwa OpenAI -- die Chromium-Architektur veraendern und damit Perplexitys eigenes Produkt gefaehrden koennte. Durch das oeffentliche Angebot setzte Perplexity Marktstandards: In den Konditionen verpflichtete sich das Unternehmen, bestehende Suchmaschinen-Voreinstellungen (typischerweise Google) beizubehalten, drei Milliarden Dollar ueber 24 Monate in die Chromium-Entwicklung zu investieren und Chrome mindestens 100 Monate lang weiterzubetreiben.

AI-Suchmaschine plus Browser

Hinter dem taktischen Maneuver steckt eine tiefere strategische Ueberlegung. Chrome hat weltweit einen Marktanteil von rund 65 Prozent. Wer Chrome kontrolliert, kontrolliert den primaeren Zugangspunkt zum Internet fuer die Mehrheit der Nutzer. Fuer eine AI-Suchmaschine wie Perplexity waere das die volle Kontrolle ueber die Nutzererfahrung -- von der Eingabe bis zur Antwort, ohne Umweg ueber Googles Infrastruktur.

Perplexity verfolgt diese Vision jetzt mit dem eigenen Comet-Browser, der seit Juli 2025 auf Windows und macOS verfuegbar ist und im Maerz 2026 auch fuer iOS erschien. Ein interessantes Detail: Comet nutzt standardmaessig Google Search fuer navigatorische Anfragen. Srinivas betont, dass Google bei Alltagssuchen wie Restaurants, Sportergebnissen oder Hotels nach wie vor ueberlegen sei -- und Comet das ergaenzen, nicht ersetzen wolle.

Bewertung

Perplexitys Bewertung ist seit dem Chrome-Angebot von 18 auf rund 21 Milliarden Dollar gestiegen (Series E). Das Unternehmen hat Anfang 2026 einen dreijahrigen GPU-Vertrag ueber 750 Millionen Dollar mit Microsoft Azure abgeschlossen und ist auf ein Subscription-Modell umgestiegen. Der Chrome-Deal bleibt faktisch tot -- aber er hat seinen Zweck erfuellt: Perplexity hat sich als ernsthafter Player im Browser- und Suchmarkt positioniert und gleichzeitig die Debatte ueber die Zukunft von Chromium mitgepraegt.

Quellen

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