Am 2. und 3. April 2026 fand in New York der erste MCP Dev Summit statt, organisiert von der Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation. 1.200 Teilnehmer -- darunter Vertreter von Anthropic, Amazon, Uber, Docker, Kong, Solo.io und Arcade.dev -- diskutierten die nächste Phase des Model Context Protocol.
Die zentrale Erkenntnis: MCP hat sich von einem Protokoll für lokale Tool-Anbindung zu einer Enterprise-Infrastrukturschicht entwickelt. Die Talks zeigten, wo die Herausforderungen liegen und welche Lösungen sich abzeichnen.
MCP Gateways als Enterprise-Pattern
Das dominante Architekturmuster des Summits war der MCP Gateway. Gateways fungieren als Control Plane zwischen Agents und Backend-Services -- vergleichbar mit API Gateways, aber spezifisch fuer Agent-Interaktionen. In Kombination mit Registries entsteht eine Infrastrukturschicht, die Authentifizierung, Autorisierung, Rate Limiting und Observability zentral verwaltet.
Uber präsentierte einen konkreten Produktionseinsatz: Ein Go-basierter GenAI Gateway mit angebundener Registry exponiert Tausende interne Endpoints (Thrift, Protobuf, HTTP) für Agents. PII-Redaction ist direkt im Gateway implementiert. Laut Meghana Somasundara und Rush Tehrani verarbeitet das System bereits Zehntausende Agent-Ausführungen pro Woche.
Das Gateway-Pattern löst ein fundamentales Enterprise-Problem: Bestehende interne APIs müssen nicht einzeln als MCP-Server reimplementiert werden. Der Gateway übersetzt zwischen dem MCP-Protokoll und vorhandenen Service-Schnittstellen.
Protokoll-Evolution: Von Stateful zu Stateless
David Soria Parra, MCP Co-Creator bei Anthropic, skizzierte die bisherige Protokoll-Entwicklung: "From local stdio-only servers to remote servers, authorization, elicitations, structured outputs." Der nächste große Schritt ist SEP-1442, das MCP von stateful Sessions zu stateless Request-Patterns bewegt.
Stateless MCP ist für verteilte Deployments entscheidend. Stateful Sessions erfordern Session-Affinität und machen horizontale Skalierung komplex. Ein stateless Modell erlaubt Load Balancing über beliebig viele Gateway-Instanzen -- ein Muster, das sich bei REST-APIs und gRPC bereits bewährt hat.
MCP Apps Specification
Seit Januar 2026 ist die MCP Apps Specification veröffentlicht. Sie erlaubt MCP-Servern, interaktive Benutzeroberflächen über sandboxed iframes bereitzustellen. Die Kommunikation zwischen Host-Anwendung und iframe läuft über bidirektionales JSON-RPC.
Die Adoption verlief schnell: Claude, ChatGPT und VS Code unterstützen MCP Apps bereits. Damit können MCP-Server nicht nur Daten und Tools bereitstellen, sondern auch visuelle Interaktionen -- etwa Dashboards, Formulare oder Approval-Workflows -- direkt im Client rendern.
Context Bloat: Progressive Tool Discovery
Ein praktisches Problem großer MCP-Deployments ist Context Bloat. Wenn ein Agent Zugriff auf Dutzende MCP-Server mit Hunderten Tools hat, verbrauchen allein die Tool-Beschreibungen einen erheblichen Teil des Context Windows.
Claude Code implementiert als Lösung progressive Tool Discovery: Tools, die mehr als 10% des Context Windows verbrauchen, werden deferred -- sie erscheinen erst, wenn der Agent sie tatsächlich benötigt. Laut den Präsentatoren reduziert das den Token-Verbrauch um rund 85%.
AWS Bedrock AgentCore: Stateful MCP Client
Amazon stellte mit Bedrock AgentCore einen Managed Service vor, der stateful MCP Client Capabilities bietet. Drei Fähigkeiten stehen im Fokus:
- Elicitation: Der MCP-Server initiiert Multi-Turn-Dialoge mit dem Benutzer über den Client -- etwa um fehlende Parameter abzufragen oder Bestätigungen einzuholen.
- Sampling: Der Server kann den Client auffordern, eine LLM-Generierung durchzuführen -- der Server steuert also, wann und wie das Modell aufgerufen wird.
- Progress Notifications: Langlebige Operationen senden Fortschrittsmeldungen zurück an den Client.
Technisch läuft jede Session in einer dedizierten microVM mit einer Laufzeit von bis zu 8 Stunden. Das isoliert Sessions vollständig voneinander -- relevant für Szenarien, in denen Agents mit sensiblen Daten oder privilegierten APIs arbeiten.
Einordnung
Der Summit markiert den Übergang von MCP als Entwickler-Tool zu MCP als Enterprise-Infrastruktur. Die Muster, die sich abzeichnen -- Gateways, Registries, stateless Protokoll-Erweiterungen -- sind bekannt aus der API-Management-Welt. Das ist kein Zufall: Mit Kong und Solo.io waren zwei etablierte API-Gateway-Anbieter auf dem Summit vertreten.
Für Teams, die MCP im Unternehmenskontext evaluieren, liefert der Summit drei konkrete Erkenntnisse: Erstens sind Gateways der empfohlene Weg, um bestehende APIs für Agents zugänglich zu machen. Zweitens löst SEP-1442 das Skalierungsproblem stateful Sessions. Drittens ist Context Bloat ein reales Problem, das architektonische Lösungen erfordert.
Quellen
- AAIF MCP Summit - InfoQ, 2026-04
- Stateful MCP Client Capabilities on Amazon Bedrock AgentCore - AWS Machine Learning Blog, 2026-04