Der typische AI-Coding-Workflow heute: IDE auf einem Screen, Terminal mit laufendem Agenten auf dem anderen. JetBrains beschreibt in einem aktuellen Blogpost eine andere Architektur -- Agenten direkt in die IDE integriert, mit standardisierten Protokollen fuer Kommunikation und Kontext.
Agent Client Protocol (ACP)
ACP ist ein offenes Protokoll fuer die Kommunikation zwischen IDE-Client und AI-Agent. Es laeuft bereits in WebStorm und Zed. Was es standardisiert:
- Kontextuebertragung: Der Editor reicht Codekontext (aktuell geoeffnete Datei, Cursor-Position, Projektstruktur) direkt an den Agenten weiter -- ohne Copy-Paste
- Standardisierte Konzepte: Planning, Permission Requests und Thread-Persistenz sind Teil des Protokolls, nicht jedes Tools eigene Loesung
- Streaming in den Editor: Antworten und Aenderungen erscheinen direkt im Editor-Fenster, nicht in einem separaten Chat-Fenster
ACP ist kein Ersatz fuer MCP (Model Context Protocol). Die Aufgabenteilung: MCP stellt Tool-Interfaces bereit (welche Tools kann der Agent nutzen?), ACP regelt die Kommunikation zwischen IDE und Agent (wie werden Aufgaben uebergeben und Ergebnisse zurueckgespielt?).
Deep Agents (LangChain)
Deep Agents ist LangChains eigensinniges Framework fuer agentische Workflows. "Eigensinnig" im Sinne von: es setzt konkrete Annahmen ueber den Ablauf, statt maximale Flexibilitaet zu bieten. Das macht es einfacher zu starten, aber weniger flexibel als generische Orchestrierungsloesungen.
Kernfunktionen:
- Filesystem- und Shell-Zugriff: Der Agent kann direkt mit dem Dateisystem arbeiten
- Human-in-the-Loop: Freigabe-Schritte fuer kritische Aktionen sind eingebaut, nicht nachtraeglich aufgesetzt
- Planung via
write_todos: Der Agent schreibt zuerst einen Plan, bevor er ausfuehrt -- das verbessert die Nachvollziehbarkeit und ermoeglicht menschliche Korrektur - Parallele Unteragenten: Aufgaben koennen auf mehrere Sub-Agenten verteilt werden
Das Problem, das beide loesen
Terminalbasierte Agenten (Cursor, Claude Code, Codex CLI) sind maechtiger geworden, aber sie leben ausserhalb der IDE. Das fuehrt zu Workflow-Fragmentierung: Kontext geht verloren, Ergebnisse muessen manuell in den Editor uebertragen werden, Genehmigungsschritte sind umstaendlich.
ACP + Deep Agents ist ein Architekturvorschlag, der Agenten als First-Class-Citizens der IDE behandelt -- mit demselben Kontextzugriff, denselben Freigabe-Mechanismen und derselben Sichtbarkeit wie eingebaute IDE-Features.
Einordnung
Das ist fruehes Stadium. ACP ist in zwei Editoren implementiert, Deep Agents ist ein Framework unter vielen. Ob sich ACP als Standard durchsetzt, haengt davon ab, ob weitere IDEs und Agent-Anbieter es implementieren. Die Richtung -- weg vom Terminal, hin zur IDE-Integration -- ist aber klar erkennbar.