11. April 2026

Einen Tag nach der Meldung ueber die Erweiterung des Meta-Deals auf 21 Milliarden Dollar hat CoreWeave am 10. April bekannt gegeben, dass auch Anthropic einen Mehrjahres-Cloud-Vertrag unterzeichnet hat. Die Vereinbarung deckt Produktions-Workloads fuer die gesamte Claude-Modellfamilie ab. CoreWeave-CEO Michael Intrator sprach von einer Partnerschaft "im Zentrum dessen, wo Modelle in die reale Welt gehen". Die Aktie CRWV sprang im Tagesverlauf um rund elf Prozent auf etwa 102 Dollar, seit Jahresbeginn steht sie bei plus 29 Prozent.

Der konkrete Deal

Finanzielle Details bleiben unter Verschluss. Bekannt ist, dass die Kapazitaet in Phasen aufgebaut wird, erste Server noch 2026 online gehen und Anthropic eine Erweiterungsoption ueber die Grundlaufzeit hinaus hat. Die Hardware-Plattform benennt CoreWeave nicht explizit, betreibt aber nach eigenen Angaben "hunderttausende" Nvidia-GPUs und fuehrt sowohl den MLPerf-v6.0-Inference-Benchmark als auch SemiAnalysis ClusterMAX 2.0 auf Platin an. Damit ist der Anthropic-Workload auf einer Infrastruktur-Schicht angesiedelt, die auf Latenz und Auslastung optimiert ist -- also primaer fuer Inference und ergaenzendes Post-Training, nicht fuer den naechsten grossen Pretraining-Lauf. Dieser wird weiterhin ueber die Multi-Gigawatt-TPU-Vereinbarung mit Google und Broadcom ab 2027 abgedeckt.

Warum Anthropic CoreWeave braucht

Anthropic haelt parallel Compute-Bezuege bei AWS, Google und NVIDIA. AWS bleibt ueber die 8-Milliarden-Beteiligung primaerer Hyperscaler-Partner, Google liefert die TPU-Langfristkapazitaet. Was in diesem Stack fehlt, ist elastische GPU-Kapazitaet im hier und jetzt. Genau dieses Loch fuellt CoreWeave: kein eigenes Cloud-Produkt-Portfolio, keine Datenbank-Services, keine konkurrierende Modellfamilie, sondern ausschliesslich GPU-Rack-Vermietung mit schnellem Rollout. Fuer Anthropic, dessen ARR seit Jahresanfang von neun auf ueber 30 Milliarden Dollar gesprungen ist und dessen Rate-Limits fuer Claude Code in den letzten Wochen mehrfach unter Druck geraten sind, ist das kurzfristig mehr wert als ein weiterer Vertrag bei einem Hyperscaler, bei dem Onboarding-Zeiten und interne Prioritaetenkonflikte drohen. Der kuerzlich eingestellte Eric Boyd duerfte die Verhandlungsfuehrung hier uebernommen haben.

CoreWeaves Kundendiversifizierung

Interessanter als das Volumen ist die Kundenliste. Mit Anthropic bedient CoreWeave jetzt neun der zehn groessten Foundation-Model-Anbieter. Der einzige noch fehlende Name ist xAI, wie CoreWeave gegenueber CNBC bestaetigt hat. Bis zum Anthropic-Deal stammten rund 67 Prozent des CoreWeave-Umsatzes von Microsoft -- ein Klumpenrisiko, das Analysten seit dem IPO im Maerz 2025 als Hauptrisiko der Equity-Story fuehren. Mit Meta (35 Milliarden kumuliert), OpenAI (11,9 Milliarden), NVIDIA (6,3 Milliarden seit September) und nun Anthropic verteilt sich das Auftragsbuch deutlich breiter. Gleichzeitig waechst die Verschuldung: 21 Milliarden Dollar Schulden Ende 2025, 8,5 Milliarden zusaetzlich im Maerz 2026, 3 Milliarden zur Finanzierung des neuen Meta-Deals. Intrator kommentierte das am Freitag nuechtern: "Scaling is expensive."

Markteinordnung

Die Nachricht schliesst eine Woche ab, in der sich die Zwei-Klassen-Struktur des Compute-Markts weiter verfestigt hat. Auf der einen Seite stehen die integrierten Hyperscaler mit eigenen Bilanzen. Auf der anderen Seite die AI-Labore, die ueber CoreWeave, Nscale und aehnliche Anbieter elastische Kapazitaet zukaufen muessen. CoreWeave selbst waechst dabei in eine Rolle hinein, die fuer den Markt neu ist: ein reiner GPU-Broker mit Abhaengigkeit von genau einem Chip-Lieferanten (Nvidia, das ueber eine Beteiligung selbst Teilhaber ist) und einem Kundenstamm, der sich aus den aggressivsten Compute-Nachfragern der Branche zusammensetzt. Dass OpenAI gleichzeitig das Stargate-UK-Projekt wegen Energiepreisen auf Eis legt, waehrend Anthropic ueber CoreWeave schnelle Kapazitaet nachkauft, zeigt eine zweite Trennlinie: Wer operativ schnell skalieren muss, kauft bei einem Spezialisten zu; wer eigene Rechenzentren baut, kaempft mit Genehmigungen und Strompreisen.

Was das fuer Claude-Nutzer bedeutet

Die ersten Server gehen noch 2026 ans Netz -- Entlastung der Rate-Limits sollte damit innerhalb des laufenden Quartals spuerbar werden. Fuer Claude Code, dessen Auslastung Anthropic selbst als Haupttreiber des ARR-Sprungs nennt, bedeutet das zusaetzliche Inference-Kapazitaet zu Peak-Zeiten und Spielraum, um mehr Modellvarianten parallel bereitzustellen. Auch die Context-Window-Erweiterungen der letzten Wochen werden mit wachsender CoreWeave-Flotte wirtschaftlicher. Strategisch relevanter ist aber die Unabhaengigkeit: Anthropic kann ab sofort einen signifikanten Anteil seines Inference-Traffics aus AWS herausziehen, falls dort Kapazitaet knapp oder teuer wird. Genau diese Optionalitaet ist nach dem AWS-Dual-Bet auf OpenAI und Anthropic strategisch ueberlebenswichtig geworden.

Quellen

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