OpenAI stellt seine Video-KI Sora ein -- sowohl die App als auch die API werden abgeschaltet. Kurz nach der Ankuendigung zieht Disney aus dem gemeinsamen Deal zurueck, den beide Unternehmen erst im Dezember 2025 unterzeichnet hatten.
Soras kurze Geschichte
Die Sora-App startete im Herbst 2025 und sorgte unmittelbar fuer Aufsehen in Hollywood: Die Plattform erlaubte die freie Nutzung etablierter Marken und bekannter Schauspielerkonterfeis, was OpenAI binnen Tagen zum Rueckzieher zwang. Nach Beschwerden aus der Filmindustrie bekamen Studios und Talente mehr Kontrolle ueber ihre Rechte auf der Plattform.
Nach dem viralen Start brachen die App-Store-Rankings jedoch rasch ein. Sam Altman hatte bereits bei der Einfuehrung angekuendigt, die App einzustellen, falls sie bei den Nutzern nicht ankomme.
Disney verliert 1-Milliarden-Dollar-Deal
Disney hatte im Dezember 2025 vereinbart, eine Milliarde Dollar in OpenAI zu investieren und bestimmte Charaktere fuer die Nutzung in Sora zu lizenzieren. Das Ziel war die Integration der Technologie in Disney+. Mit der Einstellung von Sora entfaellt die vertragliche Grundlage.
"Da sich das noch junge KI-Feld rapide entwickelt, respektieren wir OpenAIs Entscheidung, das Videogeschaeft aufzugeben und Prioritaeten neu zu setzen", erklaerte ein Disney-Sprecher gegenueber dem Hollywood Reporter. Disney wolle weiterhin mit KI-Plattformen zusammenarbeiten.
Strategiewechsel: Fidji Simo stoppt interne Side-Quests
Hinter der Entscheidung steht ein tieferer Strategiewechsel. Fidji Simo, seit einiger Zeit Applications CEO bei OpenAI, hat intern sogenannte Side-Quests gestoppt -- Projekte, die nicht direkt zum Kerngeschaeft beitragen. Sora galt als eines dieser Nebenvorhabens. Simos Produktorganisation wird inzwischen in "AGI Deployment" umbenannt, was die neue Ausrichtung unterstreicht.
OpenAI-CFO Sarah Friar bestaetigt die Ressourcenlogik hinter der Entscheidung: "Wir stehen schlicht vor einem Mangel an Compute. Wir muessen schwierige Entscheidungen treffen. Oft halten wir Modelle zurueck, veroeffentlichen keine Features. Das war ein Beispiel fuer notwendige Priorisierung."
Weitere Gruende fuer das Ende von Sora: Chinesische Konkurrenten bieten bereits leistungsfaehigere Videomodelle zu deutlich guenstigeren Preisen an -- und umgehen dabei weitgehend westliche Urheberrechtsregeln. Rechtsdruck durch Copyright-Beschwerden und der hohe Rechenaufwand von Videomodellen taten ihr Uebriges. Das freiwerdende Compute soll nun gezielt in B2B-Prioritaeten fliessen, wo Anthropic mit Claude zuletzt deutlich Boden gewonnen hat.
Laut einem internen Memo wird Sora auch nicht in ChatGPT integriert -- obwohl dies urspruenglich als Teil einer geplanten "Super-App" vorgesehen war. Das Sora-Forschungsteam soll sich stattdessen auf langfristige Forschung zu Weltmodellen konzentrieren.
Neues Modell "Spud" in Vorbereitung
Parallel dazu bereitet OpenAI den naechsten grossen Schritt vor. Das Vortraining des neuen Modells mit Codename "Spud" ist laut internem Memo abgeschlossen. Altman schreibt: "Die Dinge entwickeln sich schneller, als viele von uns erwartet hatten." In wenigen Wochen erwartet das Unternehmen ein "sehr starkes Modell", das "die Wirtschaft wirklich beschleunigen" koennte.
Spud soll auch als Grundlage fuer OpenAIs geplante Desktop-Super-App dienen, die ChatGPT, den Coding-Agenten Codex und den Browser Atlas vereinen wuerde.
Einordnung
Die Einstellung von Sora und der Verlust des Disney-Deals sind Symptome eines gezielten Umbaus. OpenAI konzentriert sich auf Unternehmenskunden und den Wettbewerb mit Anthropic im Agentenbereich -- statt auf Consumer-Apps mit fraglichem Wachstum und hohem Rechenbedarf. Das Funding-Volumen von ueber 120 Milliarden Dollar und ein geplanter Boersengang 2026 verleihen dem Fokus auf profitables B2B-Geschaeft zusaetzliche Dringlichkeit.
Warum Sora sterben musste (Verge-Analyse, Maerz 2026)
The Verge hat eine detaillierte Analyse der Hintergruende veroeffentlicht. Kern der Einschaetzung: Sora verbrauchte massive Compute-Ressourcen ohne ausreichenden finanziellen Return. OpenAI befindet sich aktuell in einem "Frenzy", Profitabilitaet zu erreichen -- oder zumindest weniger Geld zu verlieren.
Das wirkt auf den ersten Blick paradox: Gleichzeitig sammelte OpenAI weitere $10 Milliarden von Investoren ein und haelt damit insgesamt ueber $120 Milliarden an externem Kapital. Der Druck kommt nicht vom Kapitalmangel, sondern von der Erwartung der Investoren an ein tragfaehiges Geschaeftsmodell.
Strukturell relevant: Die Rolle von Fidji Simo als Applications CEO wurde umstrukturiert -- die interne Reorganisation spiegelt die neue Prioritaetensetzung wider. Der $1-Milliarden Disney-Deal wurde rueckabgewickelt, nachdem Sora als vertragliche Grundlage entfiel.
Der strategische Pivot ist klar: Weg von kreativen AI-Tools fuer Endnutzer, hin zu Coding und Enterprise. Sora war in beiden Dimensionen schwach -- hoher Compute-Aufwand, geringer B2B-Mehrwert.
Quellen
- Disney pulls out of OpenAI partnership after Sora app and API gets killed just months after launch - The Decoder, 2026-03-25
- OpenAI CEO Sam Altman reportedly teases a "very strong" model internally that can "really accelerate the economy" - The Decoder, 2026-03-25
- Why Sora had to die - The Verge, 2026-03