2. April 2026

Die grossen AI-Unternehmen stehen vor einem Dilemma: Ihre Modelle brauchen immer mehr Rechenleistung, und erneuerbare Energien koennen den Bedarf nicht schnell genug decken. Die Loesung, auf die Google und Meta setzen, ist Erdgas -- in einer Groessenordnung, die ihre eigenen Klimaversprechen untergraebt.

Meta: 10 Gaskraftwerke fuer ein einziges Rechenzentrum

Am 27. Maerz 2026 gab der Energieversorger Entergy bekannt, dass Meta insgesamt 10 Gaskraftwerke fuer seinen Hyperion-Campus in Richland Parish, Louisiana, finanzieren wird. Urspruenglich waren drei Kraftwerke genehmigt; sieben weitere kamen hinzu. Die Gesamtkapazitaet: 7,5 Gigawatt -- mehr als die gesamte Stromkapazitaet von South Dakota. Zusaetzlich sind bis zu 2,5 Gigawatt an erneuerbaren Energien und Batteriespeicher geplant.

Die Zahlen im Detail:

Besonders problematisch ist der Methan-Aspekt. Methan hat ueber einen Zeitraum von 20 Jahren ein 84-fach hoeheres Erwaermungspotenzial als CO2. Bei einer geschaetzten Leckagerate von 3 Prozent in der US-Gasfoerderung fallen die tatsaechlichen Klimaauswirkungen deutlich hoeher aus als die reinen CO2-Zahlen vermuten lassen.

Google: Bis zu 3 Gigawatt in Nebraska

Google plant derweil ein Rechenzentrum in Otoe County, Nebraska, das von einem Gaskraftwerk mit 1.000 bis 3.000 Megawatt Kapazitaet betrieben werden soll. Der Bau wuerde von Tenaska, einem Energieentwickler aus Omaha, uebernommen und koennte 2029 in Betrieb gehen. Im oberen Bereich waere die Kapazitaet mehr als doppelt so hoch wie die des groessten bestehenden Kraftwerks in Nebraska.

Google setzt dabei auf Carbon Capture and Storage (CCS) -- die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO2. In einem separaten Projekt in Illinois baut Google bereits ein 400-Megawatt-Gaskraftwerk, das 90 Prozent seiner Emissionen abfangen soll. Das Nebraska-Projekt waere eine Groessenordnung groesser und laut Beobachtern der groesste CCS-Test der USA.

Ob CCS in dieser Groesse funktioniert, ist allerdings unbewiesen. Googles Gesamtemissionen sind in den letzten fuenf Jahren bereits um 48 Prozent auf 14,3 Millionen Tonnen CO2 gestiegen -- getrieben durch den Ausbau der Rechenzentren.

Einordnung: Klimaziele als Kollateralschaden

Beide Faelle zeigen dasselbe Muster: Der Bedarf an Rechenleistung fuer AI waechst schneller als erneuerbare Energien skaliert werden koennen. Die Unternehmen greifen zu Gas, weil es die einzige Energiequelle ist, die schnell genug und in ausreichender Menge verfuegbar ist.

Das hat Konsequenzen:

  1. Klimaziele werden verfehlt. Meta und Google hatten sich zu Netto-Null-Emissionen verpflichtet. Die aktuellen Projekte machen das auf absehbare Zeit unmoeglich.
  2. Die Dimension uebersteigt das Erwartbare. Ein einzelnes Rechenzentrum, das mehr Strom verbraucht als ein ganzer US-Bundesstaat, war vor wenigen Jahren undenkbar.
  3. CCS ist ein Versprechen, kein Fakt. Googles CCS-Strategie ist ein Experiment. Ob die Technologie in der Groessenordnung funktioniert, die noetig waere, ist voellig offen.
  4. Lokale Infrastruktur wird ueberfordert. In Nebraska koennten Rechenzentren bis 2030 ueber 20 Prozent der Landesstromversorgung beanspruchen. In Louisiana steigt die Netzkapazitaet allein durch Metas Projekt um ein Drittel.

Waehrend in Europa Investitionen in AI-Infrastruktur gerade erst anlaufen -- Mistral, Nebius und andere investieren Milliarden in eigene Rechenzentren (siehe KI-Infrastruktur Europa) -- zeigen die US-Projekte, was die naechste Stufe bedeutet: nicht nur mehr Hardware, sondern eine grundlegende Verschiebung der Energielandschaft. Die Frage, ob AI die Klimaziele der Branche torpediert, ist damit keine hypothetische mehr. Sie ist ein Fakt.

Quellen

Nach oben