2. April 2026

Microsoft hat am 30. Maerz 2026 Copilot Cowork fuer das Frontier-Programm freigeschaltet. Damit koennen Enterprise-Kunden erstmals Multi-Modell-Workflows nutzen, in denen OpenAIs GPT und Anthropics Claude innerhalb von Microsoft 365 zusammenarbeiten. Das ist ein Paradigmenwechsel: Microsoft setzt nicht mehr auf ein einzelnes Modell, sondern kombiniert verschiedene Anbieter gezielt.

Hintergrund zu Microsofts strategischer Neuausrichtung im KI-Bereich: Microsoft baut Suleymans Superintelligence-Team massiv aus.

Copilot Cowork

Cowork ist Microsofts Agent fuer langwierige, mehrstufige Aufgaben in Microsoft 365. Der Agent zerlegt komplexe Anfragen in Teilschritte, arbeitet diese eigenstaendig ab und meldet sich bei Bedarf zurueck. Er orchestriert dabei Zugriffe auf Excel, Outlook, Teams und SharePoint, ohne dass Nutzer staendig zwischen Anwendungen wechseln muessen.

Cowork war seit Anfang Maerz 2026 in einer eingeschraenkten Research Preview verfuegbar und steht jetzt allen Teilnehmern des Frontier-Programms offen -- Microsofts Beta-Kanal fuer KI-Features im Enterprise-Bereich.

Critique: Gegenseitige Qualitaetskontrolle

Das Critique-Feature fuehrt ein Peer-Review-Prinzip zwischen KI-Modellen ein. Im Standardmodus generiert GPT eine Antwort, waehrend Claude diese unabhaengig auf Genauigkeit und Quellenqualitaet prueft, bevor sie dem Nutzer ausgeliefert wird. Die Rollen lassen sich auch umkehren: Claude generiert, GPT prueft.

Microsoft gibt an, dass Researcher mit aktiviertem Critique auf dem DRACO-Benchmark 57,4 Punkte erreicht -- ein Plus von 13,8 Prozent gegenueber dem Einzelmodell-Betrieb. Unabhaengig verifiziert wurden diese Ergebnisse bislang nicht.

Der praktische Nutzen: Gerade bei Research-Aufgaben mit Quellenangaben reduziert die automatisierte Gegenkontrolle die Wahrscheinlichkeit von Halluzinationen und fehlerhaften Zitaten.

Council: Modelle im Vergleich

Das Council-Feature verfolgt einen anderen Ansatz. Statt eine einzelne, gegengeprueft Antwort zu liefern, zeigt es die Antworten verschiedener Modelle nebeneinander an. Nutzer sehen auf einen Blick, wo die Modelle uebereinstimmen, wo sie abweichen und welche einzigartigen Perspektiven einzelne Modelle beisteuern.

Das erinnert an die Arbeitsweise eines Forschungsteams: Mehrere Analysten bearbeiten dieselbe Frage, und der Entscheider kann die Ergebnisse vergleichen, statt sich auf eine einzelne Einschaetzung zu verlassen.

Enterprise-Integration

Cowork ist in Microsofts Work-IQ-Framework eingebettet, das Sicherheits- und Governance-Anforderungen abdeckt. Nutzer behalten die Kontrolle: Sie koennen den Fortschritt verfolgen, den Agenten umlenken oder Zwischenergebnisse korrigieren. Typische Einsatzbereiche sind taegliche Briefings, Kalender-Management und abteilungsuebergreifende Recherche-Aufgaben.

Einordnung

Die Multi-Modell-Strategie ist bemerkenswert, weil Microsoft damit seine Abhaengigkeit von OpenAI als alleinigem Modell-Lieferanten aktiv reduziert. Critique und Council machen unterschiedliche Modellstaerken fuer Endanwender sichtbar und nutzbar -- ohne dass diese sich mit den technischen Details verschiedener LLMs befassen muessen.

Ob sich der Mehraufwand durch parallele Modellaufrufe in der Praxis rechnet, werden die kommenden Monate zeigen. Der DRACO-Benchmark-Gewinn ist vielversprechend, aber synthetische Benchmarks bilden reale Enterprise-Workflows nur begrenzt ab.

Quellen

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